Die Kaffeewirtschaft

Kaffee ist nicht, wie häufig behauptet, das „weltweit zweitwichtigste legale Handelsprodukt (nach Erdöl)" [1], sondern ist „das zweit-wertvollste Handelsprodukt, das von Entwicklungsländern exportiert wird“. [2]

 

"Die Handelsprodukte Erdgas (200 Mrd. US$), Kupfer (120 Mrd. US$), Aluminium (116 Mrd. US$), Gold [aus Minen] (87 Mrd. US$), Weizen (33 Mrd. US$), Baumwolle (26 Mrd. US$), Fleisch (43 Mrd. US$), Milch (32 Mrd. US$) und Leder (23 Mrd. US$) liegen vor Kaffee (22 Mrd. US$). [...] Die Kaffeeerlöse schwanken stark: Sie fielen von 14 Mrd. US$ 1986 (damalige Rekordsumme) auf 4,9 Mrd. US$ im Krisenjahr 2001/2002." [3]

 

Viele Jahrzehnte führten Brasilien und Kolumbien die Kaffeeproduktion an. Eine große Veränderung brachte jedoch die politische Entscheidung Vietnams von 1986, private Aktivitäten in der Landwirtschaft zu erlauben. Ab Anfang der 1990er Jahre wurde der Kaffeeanbau staatlich gefördert, ab 1996 unterstützte die Weltbank die vietnamesische Landwirtschaft mit Krediten. So stieg Vietnam zum zweitgrößten Kaffeeproduzenten auf. Weltweit arbeiten zirka 25 Millionen Menschen im Anbau, der Verarbeitung und dem Vertrieb von Kaffee; mit Familienangehörigen leben also schätzungsweise rund 100 Millionen Menschen vom Kaffee. [2]

Der Kaffeehandel

"Ihre globale Präsenz und ihr Leistungsspektrum machen die Handelshäuser zum zentralen Element des internationalen Kaffeehandels. [...] Mitte der neunziger Jahre liefen 45% des weltweiten Kaffeehandels über die sechs größten Häuser ab." [4] Heute liegen 73% des Handels zwischen Anbietern und Nachfragern in der Hand von 9 Handelsfirmen.

Dieses Ungleichgewicht zwischen vielen über die Welt verteilten Anbietern und wenigen globalen Käufern führt zu Strukturen, die keinesfalls als fair oder gerecht bezeichnet werden können. Welche praktischen Probleme sich daraus für Kaffeeproduzenten ergeben, zeigt DasErste am Beispiel Kenia: http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/sendung/wdr/weltspiegel-19012014-100.html

KAFFEEMARKT 2013, Seite 19: Deutscher Kaffeeverband e.V.
KAFFEEMARKT 2013, Seite 19: Deutscher Kaffeeverband e.V.

Die Konzentration des Handels und der intensivierte Anbau haben für die Konsumenten einen Vorteil gebracht: niedrige Preise. 1980 musste man in Deutschland für 500 g Röstkaffee €4,94 bezahlen, 2013 waren es €4,70 [3]. Die Qualität des Massenkaffees ist allerdings auch gesunken. Dafür wurden neue industrielle Röstverfahren entwickelt, die einige Fehler des Rohkaffees maskieren.

 

Für Kaffeebohnen wird also weniger bezahlt; dafür geben die Kaffeetrinker wesentlich mehr für die Zubereitung aus. 1980 wurde der Kaffee meist im Filter händisch aufgebrüht. 2013 kommen Vollautomaten für mehrere €100,- zum Einsatz. Die Tatsache, dass die beliebte Crema wie ein “Geschmacks-Verstärker” funktioniert, wusste die Kaffee- (und) Maschinen-Industrie geschickt zu nutzen. Eines scheinen die Kaffeetrinker aber manchmal zu vergessen: Ein Aroma, das nicht in der Kaffeebohne steckt, kann auch die beste Maschine nicht herzaubern. Die wirkliche Qualität des Kaffees macht noch immer der Kaffeebauer und nicht die Kaffeemaschine.

 

Die Kaffeepreiskrise

"In den Jahren nach dem 2. Weltkrieg konnte das auf dem Weltmarkt befindliche Kaffeeangebot die steigende Nachfrage nicht befriedigen. Nach einer lang anhaltenden Trockenheit mit nachfolgendem Frost in Brasilien zu Beginn der 1950er Jahre verschlechterte sich die Lage und ließ den Preis für Rohkaffee 1953 in noch nie da gewesene Höhe schnellen. Die Kaffeeproduzenten auf der ganzen Welt verstärkten den Anbau, um mehr Kaffee zu produzieren. Die Folge war eine massive Überproduktion, die den Marktpreis dramatisch in die Tiefe stürzen ließ und viele Anbauländer in ökonomische sowie politische Schwierigkeiten brachte. 1962 wurde durch die ICO [6] das Internationale Kaffee-Abkommen (ICA) abgeschlossen mit dem Ziel langfristig ein ausgewogenes Verhältnis von Angebot und Nachfrage zu erreichen." [7]

 

"In der ICO sind die wichtigsten Kaffee ex- und importierenden Länder zusammengeschlossen. Gegründet wurde sie 1962, mit nur einem Ziel: zu verhindern, dass allein der Markt regiert und die Kaffeepreise zu weit sinken. Niedrige Preise, fürchtete der Westen, könnten aus Bauern schnell Kommunisten machen. Also stimmten Amerika und Westeuropa einem Abkommen zu, das für jedes Kaffee produzierende Land festlegte, wie viel es exportieren durfte. Die Preise blieben einigermaßen stabil, fast 30 Jahre lang.
Dann platzte das Kaffeeabkommen der ICO. Die Angst vor dem Sozialismus war gesunken, die Erzeugerländer konnten sich nicht mehr auf Exportquoten einigen, die Verbraucherländer waren verärgert, weil einige Produzenten überschüssigen Rohkaffee billig an Länder verkauft hatten, die dem Abkommen nicht beigetreten waren.
Seit dem 4. Juli 1989, 00.01 Uhr, unterliegt der Kaffee wieder dem freien Markt." [...] „Der Kaffeemarkt ist wie ein Bungee-Seil. An seinem Ende hängen die Bauern.“ [8]

Quellen:

1) Pendergrast M., Uncommon Grounds: The History of Coffee and How It Transformed Our World. Basic Books, 1999
2) Pendergrast M., Coffee second only to oil? Is coffee really the second largest commodity? Mark Pendergrast investigates and finds some startling results. Tea & Coffee Trade Journal 2009

3) Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Kaffee, [Stand: 28.10.2013]

4) Moritz Gribat: Kaffeehandel und Terminmärkte. VDM Verlag Dr. Müller 2006

5) Deutscher Kaffeeverband e.V., KAFFEEMARKT 2013, Seite 19

6) International Coffee Organization: http://www.ico.org/

7) Katja Tielemann's blog (2006), Die Krise der Kaffeewirtschaft (Teil I): Anbau, Ernte und Export – Ursachen des Preisverfalls des Rohkaffees. http://perspektive89.com/exportdiversifizierung/04-04-2006/die_krise_der_kaffeewirtschaft_teil_i_anbau_ernte_und_export_ursachen_des_preisverfalls_des_ro [Stand: 28.10.2013]
8) Korneffel P.; Tenbrock C.; Uchatius W., Kaffee ist ihr Schicksal. Die Zeit  http://www.zeit.de/2002/49/Kaffeekrise/komplettansicht

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