Umwelt

Laut FAO-Statistik[1] beträgt die Fläche, auf der Kaffee geerntet wird, weltweit mehr als 10 Millionen ha. Ob der Kaffee auf dieser Fläche nachhaltig (= naturnah) oder in Monokultur angebaut wird, hat enorme Auswirkungen auf die Artenvielfalt.

 

Ursprünglich ist Kaffee eine Schattenpflanze. “Traditionell wurde Kaffee daher im Schatten umstehender, großer Bäume angebaut. Bei dieser Methode bleibt ein Teil des natürlichen Lebensraumes erhalten, was mit einer deutlich höheren Artenvielfalt einher geht.” [2] Unter dem ständigen Preisdruck der Märkte wurden mittlerweile Sorten gezüchtet, die - bei reichlich Düngung - unter freiem Himmel wachsen. Damit kann auf Schattenbäume verzichtet werden, der Flächenertrag steigt, maschinelle Bearbeitung wird möglich und die Produktionskosten sinken. Heute kommt der Großteil des Kaffees aus Monokulturen. “Die vorhandenen Studien zeigen einen drastischen Effekt auf die Biodiversität. Unter anderem finden amerikanische Zugvögel in den baumfreien Plantagen keinen Unterschlupf mehr und die Balance aus Schädlingen und Nützlingen, die im traditionellen Kaffeeanbau beobachtet werden kann, versucht man durch den Einsatz von umweltschädlichen Pestiziden auszugleichen.” [3]

Naturnaher Kaffee-Anbau unter Schattenbäumen
Naturnaher Kaffee-Anbau unter Schattenbäumen

Um zu sehen, wie Kaffee normalerweise angebaut wird, fragen Sie Ihren Browser nach “Kaffeeplantage” und drücken den Button “Bilder”.

Fundierte Einblicke in den industriellen Kaffee-Anbau liefert auch die NDR-Dokumentation:
"Bittere Ernte - Preis des billigen Kaffees"


Obwohl sich heute viele Menschen für den Umweltschutz engagieren, ist der Kaffeeanbau überraschenderweise kein großes Thema. Dabei können die Konsumenten relativ einfach mitgestalten, wie naturnah der Kaffee angebaut wird.

  • Es gibt Kaffee mit präziser Herkunftsangabe. Dann weiß man, wer ihn wie angebaut hat.
  • Es gibt “Frosch-” und Bio-Siegel, die eine Naturnähe des Kaffeeanbaus garantieren.


Die Kaffee-TrinkerInnen entscheiden darüber, ob die 100.000 km² Kaffee-Anbaufläche ein naturnaher Lebensraum für Kolibris und viele andere Tiere ist -- oder Monokultur, die ohne Rücksicht auf die Umwelt billigen Kaffee produziert.



Virtuelles Wasser

140 Liter Wasser für eine Tasse Kaffee” geisterte vor ein paar Jahren in unzähligen Artikeln durch die Medien. Worum es den Redakteuren ging, blieb eigentlich unklar. Sicher ist nur, dass sie sich nicht die Mühe gemacht hatten, das Buch von John Anthony Allan zu lesen, der den Begriff “virtual water” geprägt hat. Auf keinen Fall wollte Tony Allan den Kaffee-TrinkerInnen einen Schreck einjagen. Vielmehr schreibt er: “Scaring people is not a sustainable way of ensuring support.”[5] Allan geht es auch nicht um einen Stopp des Kaffee-Anbaus. Sein großes Anliegen ist es vielmehr, den Handel mit Agrargütern nachhaltiger und fairer zu gestalten.[5]

 

140 Liter Wasser für eine Tasse Kaffee” kann aber wachrütteln, um sich folgende Fragen zu stellen:

  • Ist das im Produkt “versteckte” Wasser in der Anbauregion zur Genüge vorhanden und wird dort effizient damit umgegangen?
  • Handelt es sich um Regenwasser, Oberflächenwasser oder Grundwasser?
  • Könnte das Wasser im evtl. sinnvoller für die lokale Lebensmittelversorgung genutzt werden, oder ist der Export diese virtuellen Wassers ein guter Weg zur Generierung von Arbeit und Einkommen im Anbauland?

 

“140 Liter” ist außerdem ein Durchschnittswert. Der virtuelle Wasserinhalt kann je nach Anbaugebiet sehr unterschiedlich sein, wie diese Liste [6] der 3 größten Kaffeeproduzenten zeigt:

Land m³ Wasser pro t Röstkaffee Liter pro Tasse
Brasilien  22.530 158
Kolumbien 14.451 101
Indonesien 31.727 222

Die Unterschiede werden besser verständlich, wenn man die Basis der Berechnung kennt. Zwei Faktoren wurden zur Berechnung herangezogen [3, S4]:

  1. Die Evapotranspiration der Kaffeepflanze
  2. Der durchschnittliche Flächenertrag

Waschen des Kaffees macht max. 0,3% der "140 Liter" aus
Waschen des Kaffees macht max. 0,3% der "140 Liter" aus

Als Konsequenz ergibt sich, vereinfacht ausgedrückt:

  1. Dort, wo die Kaffeepflanze durch Klima und Bodenbeschaffenheit mehr Wasser "verbraucht", steigen auch die Werte "Liter pro Tasse".
  2. Dort, wo intensiver gewirtschaftet wird und der Ertrag pro Pflanze höher ist, ist der Wert "Liter pro Tasse" niedriger.

Durch den zweiten Faktor wird deutlich, dass der Wert "Liter pro Tasse" keinesfalls für die Auswahl eines Kaffees taugt. Für einen Bio-Kaffeestrauch, der nur etwa halb so viel Ertrag bringt wie ein künstlich gedüngter, würde man einen etwa doppelt so hohen Wert "Liter pro Tasse" errechnen.

 

Beim Thema "virtuelles Wasser" darf der Hausverstand daher nicht ausgeschaltet werden.

Ich lebe in Kolumbien, in einer Kaffeeregion und kann für die hiesigen Bedingungen behaupten: Das virtuelle Wasser im Kaffee ist fast ausschließlich Regenwasser (grünes Wasser) - und von diesem gibt es mehr als genug. Für den Umgang mit Oberflächenwasser (blauem Wasser) gibt es sehr strenge Regeln. An jedem Bach müssen Schutzzonen mit natürlichem Bewuchs erhalten bleiben, die Wasserentnahme ist limitiert und das Wasser aus dem Depulper muss gereinigt werden. Das schlägt sich auch in den Kosten für Rohkaffee nieder und trägt dazu bei, dass Kolumbien kein Billigkaffee-Land ist.

 

Kaffeeverzicht ist für mich kein vernünftiger Weg zur Reduktion des Wasser-Fussabdruckes. Und dazu habe ich noch ein Argument: Der Wasserverbrauch der Kaffeepflanze rührt von den -- in Relation zu den Früchten -- vielen Blättern. Und diese verbessern bekanntlich unseren CO2 Haushalt.


Quellen:

(1) FAO: http://faostat3.fao.org/

(2) Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Kaffee, 26.02.2015

(3) Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Kaffee, 26.02.2015

(4) Tony Allan, Virtual Water: Trackling the Threat to Our Planet’s Most Precious Resource, e-Book Loc. 1215

(52) “The industrialised economies flood the developing world with their cheap (and often subsidised) produce. There is no parity between the competitors in this bout of economic war; it makes David and Goliath appear as balanced as the elephant and the fly.” in Tony Allan, Virtual Water: Trackling the Threat to Our Planet’s Most Precious Resource, e-Book Loc. 1895-97

(6) A.K. Chapagain, A.Y. Hoekstra, The water footprint of coffee and tea consumption in the Netherlands